Einstellung

Für mich war das Studium des Menschen selbst immer schon sehr anziehend und spannend, aber auch notwendig aufgrund unserer sozialen Verhältnisse. Unabhängig vom Fachbereich und der jeweiligen Tätigkeit bedienen wir uns in jedem Augenblick unserer Beobachtungsgabe, unserer Intuition und unserer intellektuellen Fähigkeiten, um aus den Gedanken, der Sprache, dem Auftreten, kurz aus allem, was uns eine Person zeigt, auf ihr Wesen und ihre Verfassung zu schließen. Auch an uns selbst setzen wir die Introspektion und Selbstreflexion ein. Manchmal gelingt die Introspektion nicht allein, man quält sich mit Sorgen und Problemen, hat das Gefühl, sich irgendwie „im Kreis“ zu drehen und keine Lösungen zu finden. Oft merken Menschen, dass ihre Lebenswirklichkeit nicht ihren Möglichkeiten entspricht, dass sie sich in ihrem Leben in vorgefertigten oder einengenden Bahnen bewegen oder immer wieder denselben Stolpersteinen begegnen. Durch die graphologisch-philosophische Praxis versuche ich in dialogischer Weise und in vernünftig-kritischer Diskussion ein Hinterfragen und Ergründen des Selbstseins, eine Aufklärung und Horizonterweiterung zu bewirken.

Ein zentraler Punkt in der graphologischen Tätigkeit ist auch das Verantwortungsgefühl, welches man im Umgang mit der Schrift und der jeweiligen Person auf sich nimmt. Die Schrift mag zwar einen entpersonalisierten, greifbaren Mitteilungscharakter haben, aber dahinter steht immer eine Person – somit etwas Menschliches, Würdevolles und nicht ganz Greifbares mit Gefühlen, Wünschen und Ängsten. Das Menschliche, welches einem durch die Schrift entgegentritt, gilt es ernst zu nehmen und zu achten. Es geht nicht um die Verurteilung bestimmter Verhaltensweisen, die wahr oder falsch sind, sondern um das Verstehen des Warum. Um dieses Warum genauer zu erfahren, wird auch eine graphologische Analyse niemals ausreichen, da eine Persönlichkeitsanalyse nur das Resultat von manifestierten Charakterzügen und Verhaltensweisen ist, die sich über sehr lange Zeiträume entwickelt haben. Dennoch kann ein Gespräch mit dem Schreiber oft mehr Einblick in das Warum geben und so dem Schreiber, aber auch dem Graphologen zu einer Bewusstseinserweiterung verhelfen. Zusätzlich sind nachfolgende Punkte sehr wesentlich für meine Tätigkeit:

  • eine kontinuierliche Arbeit an der Selbsterkenntnis und -erfahrung
  • Sensibilität für Menschen, Situationen und Krisenherde
  • Interaktions- und Handlungskompetenz

Last but not least versuche ich als Graphologin genügend Flexibilität mitzubringen, was menschliche Werte, Motive und unterschiedliche Lebenswege betrifft, wenn ich Handschriften analysiere und interpretiere. Das umfasst auch die Fähigkeit, eigene Werte und Motive von denen der Mitmenschen zu unterscheiden. Dies endet in keinem Wertrelativismus, sondern in der Fähigkeit, sich in das der Persönlichkeitsstruktur des Schreibers angemessene Sinn- und Wertsystem hineinzuversetzen.