Eine philosophische Analyse über die Geringschätzung des Expertenurteils im Zeitalter des postfaktischen Denkens

Ein ausgezeichneter Artikel über die verschiedenen Aspekte des Expertenurteils von Prof. Thomas Gundmann. Hier ein Ausschnitt:

„Das Vertrauen von Laien in Experten beruht in der Regel nicht darauf, dass sie die Gründe der Experten verstehen oder gar nachvollziehen können. Denn wie sollte der durchschnittliche Laie die komplexe Mathematik der Quantenphysik oder die relevanten Statistiken der Klimaforschung kompetent durchschauen können? Das Vertrauen der Laien in die Experten beruht vielmehr darauf, dass diese sich in einem offenen System der Wahrheitsannäherung bewähren, in dem sie durch andere mit ihnen konkurrierende Experten permanent kritisch bewertet werden und sich durch Überprüfung ihrer Prognosen einem Realitätscheck unterziehen.

Sofern dem Expertensystem die inhärente Kritik und der Test der Prognosen fehlen, besitzen auch ausgezeichnete Autoritäten keinerlei erkenntnistheoretische Glaubwürdigkeit. Das passiert zum Beispiel in geschlossenen fundamentalistischen Gemeinschaften. Erfolgreiche Expertensysteme wie unser modernes Wissenssystem kontrollieren sich dagegen selbst, und jeder Laie kann das auch erkennen. Experten, die durch solche Systeme ausgezeichnet werden, sind natürlich nicht unfehlbar. Im Zuge des wissenschaftlichen Fortschritts decken Wissenschaftler regelmäßig frühere Irrtümer auf.

Auch unter Experten bleiben manche Auffassungen kontrovers. Es kann auch ganze Wissenschaftlergemeinschaften geben, die ideologisch verzerrt oder korrupt urteilen. Bekannte Beispiele sind die Rassentheorie der Nationalsozialisten oder die Ablehnung der Genetik in der Sowjetunion unter Stalin. Zudem gibt es Datenfälschungen und den korrumpierenden Einfluss der Industrie als Auftraggeber von Projekten. Am Ende sind es je- doch immer unabhängige Experten, die diese Missstände aufdecken oder kritisieren. Ein Laie, der diesem Expertensystem vertraut, ist niemals zur blinden Loyalität gegenüber einem einzelnen Experten verdammt. Aber das System als Ganzes ist der erfolgreichste und rationalste Weg, sich der Wahrheit anzunähern. Aus diesem Grund sollte der Laie ihm trauen.“

Den gesamten FAZ-Artikel kann man unter diesem Link lesen.

Veröffentlichungen zum Thema „Handschrift“ auf der neuen Plattform Handwritingbiblio

Seit März 2019 haben wir sowohl ein physisches als auch ein virtuelles Projekt zur Speicherung, Erhaltung und Verbreitung aller Aspekte der Handschrift eröffnet. Die Idee zum „Memory of the handwriting“-Projekt entstand dadurch, dass den Initiatoren durch Unbekannte und Kollegen sowie deren Nachkommen in den vergangenen Jahren immer wieder Nachlässe in Form alter Zeitschriften, Bücher und Dokumente rund um das Thema „Handschrift“ übergeben wurden. Auch die Initiatoren selbst haben eine gewisse Sammlerleidenschaft. Diese teilweise aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammenden Artefakte und das darin angesammelte „Handschriftwissen“ wurden an verschiedenen Orten wie in „Zeitkapseln“  konservierten. Zum geeigneten Zeitpunkt soll dieses Handschriftwissen gegenwärtigen und zukünftigen Generationen zugänglich gemacht machen, um dadurch jenes Wissen um die Handschrift in allen Anwendungsbereichen lebendig zu halten.

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